Die Wahlergebnisse der letzten 10 Jahre sind sehr aussagekräftig. An ihnen lässt sich beispielsweise ablesen, dass es einen Zusammenhang zwischen Wahlbeteiligung und Wahlverhalten der Studierenden gibt. Schaut man sich die Ergebnisse der Wahlen 2003 und 2004 an, so sieht man, dass die Wahlbeteiligung um die 10% lag und nur eine dominierende Liste, die ALi (Alternative Liste), die Wahlen für sich entschied. Jusos, Grüne und RCDS hatte in jener Zeit – wenn überhaupt – nur einen Bruchteil der Stimmen der ALi für sich verbuchen können. Das änderte sich mit den Wahlen im Wintersemester 2004/2005. In dieser Zeit wurde die 25-Prozent-Klausel von der Landesregierung eingeführt. Diese Regelung koppelte die finanzielle Ausstattung der Studierendenschaft an die Wahlbeteiligung. Hätte zu dieser Zeit die Wahlbeteiligung unter 25% gelegen, hätte dies schrittweise Kürzungen bis zu 75% im studentischen Haushalt zur Folge gehabt. Der AStA wäre also handlungsunfähig gewesen. Darauf hat es dieser aber nicht ankommen lassen. Durch massive Wahlwerbung (die man in diesem Fall wohl besser als allgemeine Wahlaufforderungswerbung bezeichnet, da sie nur zur Wahl aufrief, aber keine Empfehlung aussprach, wen man wählen solle) konnte bei genannter Wahl eine bisher einmalige Wahlbeteiligung von über 40% 37% erreicht werden. Mit der Folge, dass die parteiunabhängige ALi, respektive ihre Nachfolger-Listen KauLi und Reformruine, in der Bedeutungslosigkeit versanken und parteinahe Hochschulgruppen wie Jusos (SPD-nah), Grüne Hochschulgruppe und RCDS (CDU-nah) deutlich an Boden gewinnen konnten.

Wahlergebnisse der Listen ALi, Jusos, Grüne, RCDS von 2003 bis 2009. Mitglieder der ALi auch unter anderen Listennamen angetreten und hier als ALi geführt. Zum Vergrößern auf Grafik klicken.
Spätere Wahlergebnisse (siehe zweite Grafik) zeigen, dass auch die Hochschulwahlen bundesweiten Trends folgen. So ist die Piraten Hochschulgruppe bei den Wahlen im Januar 2010 von 0 auf beachtliche 9,8% geschossen. Mitte bis Ende 2009 hatte die Piratenpartei einen extremen Mitgliederzuwachs verbuchen können. Medien berichteten permanent über die neue, junge Partei, wovon wohl auch die hiesige Hochschulgruppe profitierte. Der “Frische-Wind-Effekt” ließ im folgenden Jahr aber bereits nach und eine neue Liste verteilte den Kuchen mal wieder neu.
Die KUS (Kassels Unabhängige Studierende), der von ihren Gegnern vorgeworfen wird, dass sie unpolitisch und inhaltsleer sei, ist mit einer unvergleichbaren Materialschlacht in den Wahlkampf gezogen. Die anderen Listen kritisierten das sehr stark, weil nicht einmal die parteinahen Hochschulgruppen, die von ihren “Mutterparteien” in der Regel einen kleinen Obolus als Unterstützung erhalten, vergleichbares Budget aufbringen konnten. Bis heute ist unklar, wie die KUS ihren Wahlkampf finanziert. Die Strategie der KUS ging jedenfalls auf: mit 31,05% ist sie aus dem Stand stärkste Liste geworden, dicht gefolgt von Jusos und Grünen. Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass die KUS allen anderen Listen Stimmen gekostet hat. Dennoch hat es nicht gereicht, um den AStA zu stellen. Der erbitterte Wahlkampf hat die restlichen Listen zusammengeschweißt. Eine Koalition aus Jusos und Grünen mit Unterstützung von Witzenhausen und BaLi trägt den jetzigen AStA, eine Koalition mit der KUS kann sich keine dieser Gruppen vorstellen. Im Verlauf des letzten Jahres kamen auch keine inhaltlichen Impulse aus den Reihen der KUS. Im Studierendenparlament, in dem sie 8 von 25 Sitzen hat, war fast bei allen Sitzungen nur ein Bruchteil ihrer Parlamentarier bis zum Sitzungsschluss anwesend.
Seit diesem Jahr gibt es keine 25-Prozent-Regelung mehr. Nun bleibt abzuwarten, ob die Wahlbeteiligung auch dauerhaft ohne diese Klausel über der 25-Prozent-Marke bleibt. Für die parteinahen Listen ist eine hohe Wahlbeteiligung essentiell, wie die Wahlergebnisse belegen. Der RCDS ist dieses Semester gar nicht mehr angetreten.
Update: Peter Carqueville hat mich auf einen Fehler im Text aufmerksam gemacht. Die ALi ist nicht mehr als solche zu den Wahlen 2004/05 angetreten. Ehemalige Mitglieder hatten aber Nachfolgelisten gegründet (KauLi und später Reformruine).

10 Kommentare zu Wahlergebnisse der letzten 10 Jahre
Wer will bei so nenn scheiß noch wählen gehen. Wenn ich euch Fratzen schon auf den Fotos sehe könnte ich KOTZEN!
Da hast du aber Glück, dass zur Wahlfreiheit auch gehört, die Wahl zu haben überhaupt wählen zu gehen.
By the way: Wir sind immer sehr dankbar, für so geistreiche Ergüsse von anonymen Menschen. Mich würde interessieren, ob du den Kommentar auch geschrieben hättest, wenn dein richtiger Name Pflicht gewesen wäre, oder ob du dann vielleicht sogar auf sachlicher Ebene Argumente hervorgebracht hättest.
Freundlichst,
Sebastian
Selbst bei so einem Artikel kann der Autor keine Neutralität leisten, sowas würde ich aber erwarten! Zumal man weiß, dass man den Autor dem Linken Flügel zurechnen kann! Die KUS wird nider gemacht und die anderen Listen werden nicht erwähnt bei der aktuellen Wahlperiode. Jedoch haben von den Jusos auch sehr Viele Leute mit Abwesenheit geglänzt im Stupa und was ist mit RCDS? Junge, bleib Neutral, sonst kann man den Mist doch gleich inne Tonne kicken, mir kommts Kotzen, wenn ich sowas lese. ALLE ODER KEINER!!!
Es ist eine Analyse der letzten 10 Jahre und sollte die Trends zeigen, die sich im Laufe dieser Zeit abgezeichnet haben. Klar hätte man andere Listen erwähnen können, zum Beispiel DIE LINKE.SDS die damals SoziaListe hieß und durchaus wählbar war, aber auch die Neue Liste. Beide (besonders letztere) waren aber entweder nur für kurze Zeit präsent oder eben für die Trends die ich zeigen wollte eher irrelevant… Das Gleiche gilt für PISA, Fachschaftsliste Lehramt, die es nur jeweils ein Semester gab.
Aber deine Kritik stimmt in sofern, dass ich den RCDS hier hätte erwähnen können, der in der letzten Legislatur äußerst selten anwesend war. Auch die Grünen waren selten vollzählig, Jusos aber eher in Ausnahmefällen.
Nun ja, ich kann durchaus verstehen das man einen Wahlkampf führt, jedoch stelle ich mir zunehmend die Frage, ob einige nicht vielleicht das Wort KAMPF zu groß schreiben? Ich dachte immer das die Hochschulgruppen verbindet, dass sie die Bedingungen der Studierenden verbessern wollen? Leider kann ich das nicht sehen! In meinen Augen verrät sich eine Hochschulliste hier selber! Letztes Jahr hat man doch diese Art von Wahlkampf so sehr verteufelt! So sehr, dass man ihn dieses Jahr übernehmen muss und selber mit einer Materialschlacht loslegt? Ich denke, es währe nur fair, alle Wähler selber entscheiden zu lassen und nicht über ein solches Medium wie dieses hier beeinflussen zu wollen. Eines muss man der KUS nämlich zugute halten, sie haben stets nur aufgefordert zu wählen, eine andere Hochschulliste öfftentlich an den Pranger gestellt haben sie nicht!
Ich wünschte, dies würden alle Hochschulgruppen so machen, aber scheinbar sind wir davon noch sehr weit entfernt!
Anonym lässt sich so etwas immer gut schreiben… Im Gegensatz zu dir, gebe ich meine Identität preis. So kann jeder nachvollziehen wer den Artikel geschrieben hat und welche politische Gesinnung dieser hat. Dass es in dem Artikel eine politische Färbung gibt, ist somit auch klar. Dennoch habe ich versucht, die Sachlage objektiv zu schildern. Dass die Sachlage nicht positiv für die KUS ist, dafür kann ich auch nichts. Ich hätte es lediglich schöner verpacken können. Und die KUS mag vielleicht oberflächlich betrachtet nur zum Wählen aufrufen, aber von den anderen Listen (zumindest von den Grünen und von den Jusos weiß ich das) sind reihenweise Plakate abgerissen worden und komischerweise bleiben die KUS-Plakate hängen.
Und die medium² ist ja eine freies Medium, deswegen kann hier gerne auch ein Artikel von dir veröffentlicht werden. Überhaupt würde es mich sehr freuen, wenn mehr Leute (auch für die Online-Ausgabe) schreiben. So können mehrere Meinungen abgebildet werden.
Man hört über den Campus zwitschern, dass es nicht nur den Jusos und Grünen so geht! Ich finde es nicht in Ordnung wenn Wahlplakate abgerissen werden. Ich finde es aber auch nicht in Ordnung andere Hochschulgruppen des abreissens bezichtigen zu wollen. Vielleicht sollte man sich einfach mal mit allen Hochschulgruppen zusammensetzen und darüber reden was man möchte! Ständig verteufelt der eine Hochschulgruppe die andere, ich finde soetwas als Wähler höchst verwirrend!
Jupp, vielleicht sollte man das mal tun… Plakate abreissen geht gar nicht!
Noch mal zur Info. Gerade auf der Facebook-Seite des AStAs entdeckt.
Bezogen auf die vorherigen Kommentare, spricht diese Info für sich und bedarf keiner weiteren Kommentierung:
Also da möchte ich doch mal eine Lanze für den Artikel und den Autor brechen. Da steht “Meinung” drüber, und wenn wir uns angucken, was Sebastian schreibt, so finde ich das gleich in mehreren Punkten richtig UND repräsentativ für das was man sich am Campus so sagt.
Insbesondere bezüglich der KUS gilt dies. Und bevor jemand schreit: Ich hab mit einem Großteil der KUSler nicht im geringsten ein Problem und, ja, man ist zuerst einmal gemeinsam Studi dieser Uni, und erst dann Mitglied konkurierender Gruppen und damit Denkweisen. Jedoch bezüglich der Wahlkampfführung der KUS und deren “Programm” muss einfach mal ausgesprochen werden dürfen, das
1. Die Finanzierung des KUS-Wahlkampfes in der Tat einige Fragen über die unabhängig der KUS aufwirft.
2. Das Programm, wenn man die Punkte des Ernst nimmt, nur als wirklich traurig in seiner geringen Tiefe bezeichnet werden kann.
Das sind universelle Wahrheiten – egal welcher Gruppe man angehört. Es ist an der KUS, ihre Existenz zu berechtigen. Einfach nur Hochschulgruppe sein um des Seins willen reicht nicht. Der studentische Wähler ist ja nicht doof